Noch gar nicht fertig

Von Maria Herrmann, 20 Januar, 2021
Bild von einer weißen Tischplatte von oben. Die Hände mehrerer Personen sind auch von oben sichtbar. Sie arbeiten gemeinsam an einem Lego Modell.

Ich hatte neulich eine eMail im Postfach. Der Absender gab ein interessiertes und interessiertes Feedback zur Idee der Digitalen Domschule. Ich las es sehr dankbar und war froh um jede Zeile. 

An einer Stelle wurde ich sehr aufmerksam: Das Problem mit dem Projekt wäre aber, dass es ja "noch gar nicht fertig" sei. Auf der Website sei ja noch nichts zu sehen und überhaupt könnte man sich das noch nicht so richtig vorstellen. Darüber musste ich nachdenken. 

Denn ich persönlich finde es fast das Beste an der Sache der Digitalen Domschule: Dass sie noch nicht fertig ist. Und dass so tolles Feedback deswegen auch Platz haben kann. 

Klar ist in jedem Fall: Es kostet einen manchmal mehr Mut mit etwas Unfertigem vor die Türe, nach draußen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Das Unfertige ist zerbrechlich. Schon ein kleines "Aber" wie das Zitierte hier kann hier viel kaputt machen. Doch darin stecken mindestens zwei Aspekte, die nicht nur kirchenentwicklerisch, sondern auch gesellschaftlich wichtig sind: 

Zum einen kann sich nur durch das Unfertige etwas verändern. Dafür gibt es einen Fachbegriff: Unter Prototyping versteht man diese Haltung oder vielleicht eher Methodik, die mit einem kleinen Anfang beginnt, den man regelmäßig auf der Basis von Feedback erweitert. Wie das geht kann man in diesem kleinen Film gut sehen. 

Man beginnt mit einem groben Entwurf und - viel wichtiger - einer groben Umsetzung einer Sache, die ein konkretes Problem lösen soll.

In unserem Fall gibt es nun diese Website. Sie wird im Laufe der nächsten Zeit ausgebaut werden. Das sehen Sie schon im Menü: Hier kam erst kürzlich der neue Menüpunkt der "Termine" hinzu und auch der "Campus" ist relativ neu. Dort wird es bald inhaltliche Prototypen für Online-Kurse geben, an denen wir derzeit im Hintergrund arbeiten. Diese Workshops geben uns dann die Möglichkeit, weiter an den technischen Anforderungen einer Lernplattform zu arbeiten. So wächst das Projekt und ist aber gleichzeitig eben genau angewiesen auf Ihr und Euer Feedback. (Dies ist auch einer der Hintergründe für die Digitalen Sprechstunden: Sie sollen genau diese Feedback-Möglichkeiten befördern.) 

Und zum anderen können schließlich die vielfältigen Veränderungsprozesse nur im gemeinsamen Entwickeln vorangebracht werden. Nur gemeinsam kann etwas wirklich Neues entstehen. Und dieses Gemeinsam kann nur entstehen, wenn man mit etwas kleinem, zerbrechlichen beginnt. Dies ist ein wichtiger Lernpunkt für Kirchenentwicklung und gesellschaftliches Wirken: So richtig gemeinsam geht es nur dann, wenn etwas "noch gar nicht fertig" ist.