Unterwegs sein. Oder: Warum gehört Meditation in eine Schule?

Von Maria Herrmann, 18 Februar, 2021
Bild von den Füßen einer Menschengruppe, die gerade in Bewegung ist

Vielleicht geht es Ihnen ja ganz ähnlich wie mir: Wenn ich an den Heiligen Benedikt denke, denke ich sehr schnell auch an die Worte: »Ora et labora«. Bete und arbeite. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mir bewusst wurde, dass sie eigentlich gar nicht direkt auf den Ordensgründer selbst zurückgehen. Dass die Zuordnung vielleicht nicht korrekt ist, ist die eine Seite. Dass sie sich so beharrlich hält, eine andere. Denn das mag möglicherweise der Tatsache geschuldet sein, dass »Ora et labora (et lege)« (so heißt es wohl ursprünglich) eine Spur legt, die man sehr gerne mit dem Heiligen Benedikt verbinden möchte. Dass zum Arbeiten (und auch zum Lesen und Studieren und Lernen), das Gebet gehört, erscheint mir eine Erfahrung zu sein, die tragen kann: Dass Leben ein Balance-Akt ist. Dass Übung dazu gehört. Dass auch die Stille, das Sein lassen und Werden und Geworden sein nicht unberücksichtigt sein darf. 

Mit dem Heiligen Benedikt, mit seiner Regel und seinem Wirken habe ich mich in den letzten Wochen und Monaten viel beschäftigt. Das hat unter anderem damit etwas zu tun, dass das Projekt der Digitalen Domschule im Zuge, im Umfeld und anlässlich des Godehard-Jahres im Bistum Hildesheim initiiert wurde. Der Heilige Godehard, dem Bischof von Hildesheim, dem wir in diesem Jahr 2022/23 gedenken, war selbst Benediktiner und benediktinisch geprägt. Dies ist der Grund, warum auch das Jahr eine Spur dieser reichen Tradition tragen wird. 

Manche dieser Gedanken meiner Beschäftigung mit Benedikt, seiner Regel und Spiritualität sind auch in die Digitale Domschule mit eingeflossen, und nicht zu letzt dieser Gedanke vom »Ora et labora (et lege)«. 

Und so ist ein Projekt der »Digitalen Domschule« entstanden, auf das ich heute aufmerksam machen mag: Zusammen mit der Soziologin, evangelischen Theologin, und Lehrerin für Körperarbeit Sarah Dochhan habe ich »On the go« ins Leben gerufen. Zwei mal sieben Meditationen für Zeiten der Veränderung. Über Gehen und Bewegen. Bleiben und Veränderung. Diese Meditationen begleiten mich, und vielleicht auch Sie, in den nächsten 39 Tagen bis Ostern in den Social Media Kanälen der Domschule: 

Wenn Lernen, Lesen, Arbeiten in einer Digitalen Domschule eingebettet ist, in einen Balanceakt, dann braucht es auch diese andere Seite. Die Fastenzeit in diesem Jahr erschien mir ein geeigneter Zeitpunkt so ein Projekt zu starten, um auch gleichzeitig schon von Anfang an in diesem Projekt deutlich zu machen, dass Lernen etwas mit »in Bewegung kommen« und dem »Balance suchen« zu tun hat. 

Und so finden Sie seit gestern im YouTube Kanal der Digitalen Domschule eine erste Meditation in Bewegung. Auf diese Meditation folgen jeden Mittwoch bis Ostern sechs weitere. Wenn Sie bei YouTube registriert sind, können Sie diesen Kanal abonnieren und bekommen so automatisch mittwochs das neue Video. 

Diese längeren Videos zum in Bewegung kommen werden ab Samstag Abend ergänzt durch stille(re) und auch etwas kürzere Meditationen im Instagram Profil der Domschule. Auch hier können Sie das Video leichter sehen, wenn Sie ein Instagram Account haben und unserem Profil folgen. Alle Filme werden jedoch auch so frei zu sehen sein und auch nach der Fastenzeit weiter zu sehen bleiben. 

Beide Formate suchen selbst den Balance Akt zwischen Bewegung und zur Ruhe kommen. Und beide sollen einen Beitrag – nicht nur zu dieser Fastenzeit – leisten, sondern selbst einen Weg suchen, wie die Rede vom »Ora et labora (et lege)« eingeübt werden kann.

Wir wünschen Ihnen damit ein gutes »Unterwegs sein« in diesen Wochen oder auch wann anders. Denn so ließe sich »On the go« nämlich gut übersetzen.