Vom Schlagzeugspielen

Von Maria Herrmann, 21 Oktober, 2020
Zwei Schlagzeugsticks auf einer Snare-Drum

Ich wollte schon immer Schlagzeug spielen lernen. Mich fasziniert dieses Instrument, weil hier einfach sehr viel zusammen kommt: Musik machen. Musik mit anderen machen. Dazu spielt man mit dem ganzen Körper. Man kann sich verausgaben. Und man kann die Mathematik überlisten: Das was gute Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger können, ergibt an vielen Stellen auf dem Papier keinen Sinn. Das mag ich. 

Als Heranwachsende hatte ich einmal für wenige Wochen ein paar alte Trommeln in meinem Zimmer stehen. Im Prinzip war für kaum anderes mehr Platz in meinen vier Wänden und wenn ich, ziemlich pubertierend, aus der Schule nach Hause kam, musste meine Energie irgendwo hin. Wenn ich heute so darüber nachdenke, bewundere ich meine Eltern noch mehr für die Gelassenheit in der sie mich damals begleitet haben: Schlagzeug spielen ist laut – und es ist gar nicht so einfach, eine gute Regelung fürs Üben zu finden, mit der alle, die davon betroffen sind, gut leben können. 

Fürs gute Leben lernen. 

Ich glaube, das ist gar kein so unwichtiger Punkt beim Lernen: Wir tun es in den seltensten Fällen für uns und mit uns alleine. Manchmal ist es gut, etwas zu lernen – nur für sich. Und doch wird das Gelernte nicht bei uns bleiben. Andere werden nicht nur merken, dass wir gerade etwas lernen: Dass wir glücklich sind einen neuen Schritt gemacht zu haben, dass wir über einer Aufgabe grübeln. Oder wie bei mir mit dem Schlagzeug: Dass wir ausgeglichener sind. Das Gelernte wird auch etwas mit unserem Umgang mit anderen machen. Und: es lernt sich tendenziell leichter, wenn der Prozess in Bezug zu anderen steht. Wenn man etwas für andere und mit anderen lernen kann. 

Ich kann mich erinnern, dass es ungefähr die selbe Zeit gewesen sein muss, in der das Schlagzeug in meinem Jugendzimmer stand, als ich meine ersten Schritte als Leiterin in einem Jugendverband gemacht habe. Dort habe ich gelernt, wie man Verantwortung übernimmt. Ich habe einen 1. Hilfe Kurs gemacht, geübt wie man eine Gruppenstunde aufbaut, Kennenlernspiele anleitet oder Spagetti für 50 Menschen kocht. Das Schlagzeug ist schnell verstaubt und verschwand irgendwann wieder im Keller. Lernen kann bei einem Interesse, bei einer Laune oder Lust ansetzen, aber auch für viel gutes Leben sorgen. 

Was würden Sie gerne lernen, auch und gerade im Hinblick auf andere? Oder auch: Was wollten Sie vielleicht schon immer mal lernen? Was wir bei Ihnen in Ihrem Stadtteil, Ihrem Dorf, Ihrer Gemeinde oder Nachbarschaft gebraucht, was ist notwendig? Wie kann hier Kirche nicht nur ein guter Ort sein, um das zu lernen, sondern auch um so etwas zum guten Leben anderer beizutragen?

Wenn Sie könnten, wenn Sie Zeit hätten, und ein tolles Angebot dazu, was stünde bei Ihnen ganz oben auf der Lern-Liste im Hausaufgabenheft? 

Die Kommentare sind offen, vielleicht möchten Sie Ihre Gedanken dazu teilen? 

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Ellen Weitz (nicht überprüft)

3 Monate 2 Wochen zuvor

...wollte ich:
* Tango tanzen
* Hebräisch
* afrikanisches Trommeln
* Menschen zum gemeinsamen Musizieren anleiten (Chorleitung ist mir zu hoch gegriffen)
* sicher und gut (auch im Straßenverkehr) Fahrrad fahren
* warten und Geduld üben 😉

Thomas Mann (nicht überprüft)

3 Monate 2 Wochen zuvor

Vielleicht ist es genau der Punkt, warum die vielen Schulfächer trotz jahrelanger Paukerei so wenig Eindruck hinterlassen. Schulisches Lernen ist zu oft auf Noten und zu wenig auf das Leben und für andere ausgelegt.
Und ein zweites habe ich gelesen. Zum guten Lernen gehört unbedingt eine innere Motivation. Derzeit erlebe ich in meinem Bistum viele neue Initiativen, bei denen ich den Eindruck habe, dass man sich entwickelt, weil man sich entwickeln muss und nicht weil man sich entwickeln will. Das Wasser steht uns bis zum Hals. Die Menschen laufen scharenweise davon. Lernen, um zu überleben ist sicher ein starker Antreiber, aber ob es zum guten Leben reicht?
Danke für diesen Impuls, über den ich sicher noch länger nachdenken werde und damit lernen will.